Lebensversicherung Rückkaufswert: Infos von A – Z

Aktualisiert am von Ömer Bekar

Infos zu Lebensversicherung Rückkaufswert
Kündigst Du eine Lebensversicherung vorzeitig, zahlt Dir der Versicherer den Rückkaufswert aus.

Die Lebensversicherung gehört hierzulande zu den beliebtesten Produkten für die private Altersvorsorge. Die Kosten sind zwar hoch und die tatsächlich ausgezahlte Summe bleibt teils deutlich hinter den Erwartungen zurück. Aber die Lebensversicherung ist eine sichere Geldanlage. Und sie ermöglicht es, mit kleinen Beträgen fürs Alter vorzusorgen. Außerdem sichert sie die Angehörigen im Todesfall ab. Nur laufen viele Verträge gar nicht bis zum regulären Ende, sondern werden schon vorher gekündigt. Bei einer vorzeitigen Kündigung der Lebensversicherung kommt der sogenannte Rückkaufswert ins Spiel. Was es damit auf sich hat, erklären wir in diesem Beitrag.

Eine Lebensversicherung läuft meist über viele Jahre. Das ist einerseits ein Vorteil. Denn wenn Du den Vertrag früh abschließt, bleibt genug Zeit, um mit recht kleinen Beiträgen ein solides Polster fürs Alter anzusparen. Andererseits kannst Du schlecht abschätzen, was in 20 oder 30 Jahren sein wird. Und so kann gut sein, dass Du Deine Lebensversicherung vorzeitig kündigen musst oder willst.

Steigst Du vor dem regulären Vertragsablauf aus, bezahlt Dir die Lebensversicherung den Rückkaufswert. Doch meist ist das für Dich ein Verlustgeschäft. Denn von dem Guthaben, das Du angespart hast, werden Gebühren und Kosten abgezogen. Was das genau bedeutet und welche Alternativen zur Kündigung es gibt, erfährst Du in diesem Beitrag.

Was genau ist bei einer Lebensversicherung der Rückkaufswert?

Der Rückkaufswert beziffert die Summe, die Du bei einer vorzeitigen Kündigung Deiner Lebensversicherung bekommst. Und dabei gilt grundsätzlich:

Je länger Du in die Lebensversicherung eingezahlt hast, desto höher ist der Rückkaufswert.

Denn bei der Berechnung des Rückkaufswerts legt der Versicherer zunächst Deine eingezahlten Beiträge zugrunde. Dazu rechnet er die Zinsen. Anschließend zieht der Versicherer die Abschlusskosten ab. Zu den Abschlusskosten gehören Bearbeitungs- und Verwaltungsgebühren, Risikobeiträge, Provisionen und alle sonstigen Kosten, die seinerzeit beim Abschluss des Vertrags fällig wurden.

Bei den meisten Versicherern kommt bei einer vorzeitigen Kündigung außerdem noch ein Stornoabzug dazu. Er beläuft sich auf ungefähr ein Prozent der vereinbarten Versicherungssumme.

Ein Problem an der ganzen Geschichte ist, dass Du in den ersten Jahren kaum Guthaben ansparst. Vielmehr bezahlst Du mit Deinen Beiträgen erst einmal die ganzen Kosten und Provisionen. Erst nach einiger Zeit bilden Deine gezahlten Beiträge überhaupt ein Guthaben. Steigst Du recht früh wieder aus dem Vertrag aus, liegt der Rückkaufswert deshalb deutlich unter dem, was Du eingezahlt hast.

Ein anderer Minuspunkt ist, dass Dein Guthaben zwar verzinst wird. Allerdings fällt die Überschussbeteiligung größtenteils weg. Diese bekommst Du nur dann in voller Höhe, wenn die Lebensversicherung regulär abläuft. Gerade die Schlussbeteiligung macht aber einen großen Teil der gesamten Ablaufleistung aus.

Unterm Strich musst Du deshalb mit einem finanziellen Verlust rechnen, wenn Du Deine Lebensversicherung vorzeitig auflöst.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat übrigens entschieden, dass sich der Rückkaufwert bei Lebensversicherungen, die zwischen 2001 und 2007 abgeschlossen wurden, auf mindestens die Hälfte des Deckungsbeitrags belaufen muss (Az. IV ZR 17/13 und Az. IV ZR 114/13, beide Urteile vom 11.09.2013). Für alle Policen ab 2008 regelt § 169 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) den Mindest-Rückkaufswert.

Nur Kapital bildende Versicherungen haben einen Rückkaufswert

Ein Thema ist der Rückkaufswert generell nur bei Versicherungen, die Kapital bilden. Dazu zählen klassische Lebens- oder Rentenversicherungen und auch fondsgebundene Lebensversicherungen.

Reine Risikoversicherungen wie zum Beispiel Risiko-Lebensversicherungen, Unfallversicherungen, private Krankenversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen haben keinen Rückkaufswert. Denn hier fließen Deine Beiträge in den Risikoschutz. Tritt ein Versicherungsfall ein, bekommst Du die vereinbarte Leistung. Deine Beiträge zurückfordern, kannst Du aber nicht.

Wie erfahre ich den aktuellen Rückkaufswert meiner Lebensversicherung?

Im Internet findest Du eine Reihe von Rechnern, mit denen Du den Rückkaufswert ermitteln kannst. Dazu musst Du angeben, wer der Versicherer ist. Außerdem musst Du eintragen, seit wann, wie lange und in welcher Höhe Du Prämien bezahlst. Mit so einem kostenfreien Online-Rechner kannst Du den derzeitigen Rückkaufswert aber immer nur grob berechnen.

Wenn Du genaue und verbindliche Zahlen haben willst, musst Du Dich direkt an Deinen Versicherer wenden.

Schicke ihm ein kurzes Schreiben, in dem Du Dich nach dem aktuellen Stand Deiner Lebensversicherung erkundigst. Daraufhin rechnet er den aktuellen Rückkaufswert aus. Gleichzeitig schlüsselt Dir der Versicherer auf, wie sich der Rückkaufswert zusammensetzt.

Du kannst aber auch einen Blick in Deine Vertragsunterlagen werfen. Denn meist enthalten sie eine Übersicht mit den Rückkaufswerten im Verlauf der Vertragslaufzeit. Außerdem ist der aktuelle Rückkaufswert in der Abrechnung ausgewiesen, die Dir der Versicherer jährlich zuschickt.

Was sich typische Gründe für eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung?

Obwohl es nur selten ein gutes Geschäft ist, die Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen, endet fast jeder zweite Vertrag vor dem regulären Ablauf. Und oft ist ein finanzieller Engpass der ausschlaggebende Grund.

Ein typisches Szenario ist zum Beispiel, dass der Versicherte seinen Job verliert oder schwer erkrankt und auf Sozialleistungen angewiesen ist. Staatliche Unterstützung in Form von Hartz IV oder Grundsicherung gibt es nämlich erst dann, wenn das vorhandene Vermögen bis zu einer bestimmten Grenze aufgebraucht ist. Und eine Kapital-Lebensversicherung zählt zum Vermögen.

Das Jobcenter oder Sozialamt darf den Versicherten zwar nicht dazu zwingen, seine Lebensversicherung zu kündigen oder zu verkaufen, wenn das mit einem erheblichen wirtschaftlichen Verlust verbunden ist. Doch wann der Verlust erheblich ist, ist juristisch noch nicht abschließend geklärt. Einem Urteil des Bundessozialgerichts zufolge kann dem Versicherten ein Verlust von etwa zehn Prozent zugemutet werden (Az. B 14/7b AS 66/06 R, Urteil vom 06.09.2007).

Ein anderer Grund für die Kündigung der Lebensversicherung kann sein, dass der Versicherte das Geld aus dem Rückkaufswert einfach braucht. Aber auch die Überlegung, den Rückkaufswert in eine Geldanlage mit höherer Rendite zu investieren, kann ein Kündigungsgrund sein.

Generell solltest Du Dir gut überlegen, ob es wirklich Sinn macht, die Lebensversicherung aufzulösen.

Denn Geldanlagen, die hohe Renditen versprechen, bergen immer auch hohe Verlustrisiken. Außerdem ist eine Lebensversicherung nicht nur eine Geldanlage. Vielmehr sichert sie auch Deine Angehörigen ab, falls Dir etwas zustößt. Und wenn Du es Dir später anders überlegst, wird eine Police umso teurer, je älter Du bist und je durchwachsener die Gesundheitsprüfung ausfällt.

Wann kann ich die Lebensversicherung kündigen, um den Rückkaufwert zu bekommen?

Wenn Du möchtest, dass Dir die Lebensversicherung den Rückkaufswert auszahlt, musst Du sie kündigen. Dazu genügt ein kurzes Schreiben, mit dem Du die Kündigung erklärst. Begründen musst Du Deine Entscheidung nicht. Gleichzeitig gibst Du die Bankverbindung an, an die die Versicherung den Rückkaufswert überweisen soll.

Kündigen kannst Du immer zur Hauptfälligkeit. Wann diese Hauptfälligkeit ist, hängt davon ab, ob Du Deine Beiträge jährlich oder monatlich bezahlst.

Zahlst Du die Versicherungsprämie einmal pro Jahr, kannst Du zu dem Termin kündigen, an dem die nächste Prämie fällig wäre. Bei monatlichen Prämien kannst Du auch jeweils monatlich kündigen. Zum Teil musst Du aber eine Kündigungsfrist einhalten. Schaue deshalb in Deinen Vertragsunterlagen nach.

Wenn die Kündigung wirksam wird, musst Du dem Versicherer die Police im Original zurückgeben. Ist sie unauffindbar, musst Du eine Verlusterklärung abgeben. Erkundige Dich im Zweifel bei Deinem Versicherer, wie er die Sache handhabt. Zum Stichtag endet dann Dein Versicherungsschutz und die Lebensversicherung überweist Dir den Rückkaufswert auf Dein Konto.

Tipp: Bevor Du kündigst, solltest Du sicherstellen, dass Du mit den Beiträgen nicht im Rückstand bist. Denn jede Prämie, die fehlt, reduziert den Rückkaufswert.

Das liegt daran, dass die Kosten für den Vertrag auch für die Monate berechnet werden, in denen Du keine Beiträge bezahlt hast. Außerdem ist Dein Guthaben niedriger und damit fallen auch die Zinsen geringer aus.

Die Steuern bei einer Kündigung

Je nach Lebensversicherung kann es sein, dass Du den Rückkaufswert versteuern musst. Dabei gelten folgende Regelungen:

  • Bei einem Altvertrag, den Du vor dem 1. Januar 2005 geschlossen hast und der eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren hat, bleibt der Rückkaufswert steuerfrei.
  • Kündigst Du einen Neuvertrag, der schon zwölf Jahre oder länger läuft, und bist Du mindestens 60 Jahre alt, musst Du die Hälfte des Gewinns mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuern.
  • Bei allen anderen Lebensversicherungen wird der Rückkaufswert mit der Abgeltungssteuer belastet.

Welche Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung gibt es?

Bevor Du voreilig Deine Lebensversicherung kündigst und durch einen niedrigen Rückkaufswert viel Geld verlierst, solltest Du Dich nach Alternativen umsehen. Es gibt nämlich mehrere Möglichkeiten, die bessere Lösungen sein können.

Die Lebensversicherung beleihen

Brauchst Du Geld, kannst Du Deine Police beleihen. Dabei zahlt Dir die Lebensversicherung meist bis zu 90 Prozent, manchmal sogar 100 Prozent des Rückkaufswertes aus. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen bekommst Du bis zu 60 Prozent. Das Darlehen kannst Du während der weiteren Laufzeit oder zum Ablauf der Police zurückzahlen.

Beleihen kannst Du die Police entweder direkt beim Versicherer oder bei einer Bank. Auch auf dem sogenannten Zweitmarkt gibt es Anbieter, die solche Darlehen anbieten. Hier musst Du aber in aller Regel schon einen gewissen Rückkaufswert angespart haben.

Ein Vorteil von einem Policendarlehen ist, dass die Zinsen meist viel niedriger sind als bei einem normalen Kredit. Hinzu kommt, dass die Police selbst als Sicherheit dient. Deshalb ist oft keine Schufa-Auskunft notwendig und der Kredit wird auch nicht bei der Schufa eingetragen.

Die Lebensversicherung beitragsfrei oder ruhend stellen

Eine andere Alternative zur Kündigung ist, die Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen. Dadurch behältst Du den Versicherungsschutz, musst aber keine Prämien bezahlen. Die Möglichkeit, eine Lebensversicherung in eine beitragsfreie Versicherung umzuwandeln, ist in § 165 VVG gesetzlich geregelt.

Rein rechtlich gesehen, ist eine Beitragsfreistellung eine Teilkündigung. Die Folge ist nämlich, dass sowohl der Versicherungsschutz als auch die Ablaufleistung sinken. Möchtest Du später die Beitragszahlung wieder aufnehmen, muss der Versicherer zustimmen.

Einige Versicherer bieten auch die Möglichkeit, die Lebensversicherung ruhend zu stellen. Ruht der Vertrag, bleibt er zwar bestehen. Aber der Versicherungsschutz ist ausgesetzt. Er lebt wieder auf, wenn die Vereinbarung abläuft und Du wieder Beiträge bezahlst. Die Prämien für den Zeitraum, in dem die Lebensversicherung geruht hat, musst Du nicht nachzahlen. Dadurch verringert sich aber auch die Ablaufleistung entsprechend.

Die Prämien stunden oder reduzieren

Vereinbarst Du mit dem Versicherer eine Stundung, setzt Du die Zahlung der Beiträge für eine gewisse Zeit aus. Meist sind bis zu zwei Jahre möglich. Später musst Du dann aber sowohl die ausgesetzten Prämien als auch Zinsen für die Stundung nachzahlen. Deshalb eignet sich diese Lösung eigentlich nur dann, wenn Du weißt, dass Du die jeweiligen Beträge aufbringen kannst.

Sinnvoller ist vielleicht, dass Du die Versicherung kostengünstiger gestaltest. Dazu kannst Du mit dem Versicherer abklären, ob Du die Beiträge dauerhaft senken kannst. Dadurch verringert sich zwar die Ablaufleistung, aber Du bezahlst eben auch weniger. Eine andere Möglichkeit ist, eine vereinbarte Dynamik aus dem Vertrag zu nehmen. Oder Du streichst Zusatz-Versicherungen, auf die Du verzichten kannst.

Die Lebensversicherung widerrufen

In vielen Fällen kannst Du eine Lebensversicherung auch viele Jahre später noch widerrufen. Das gilt vor allem für Verträge, die zwischen 1994 und 2007 zustande kamen oder endeten. Denn bei diesen Verträgen waren die Widerrufsbelehrungen oft fehlerhaft.

Ein erfolgreicher Widerruf hat zur Folge, dass Du alle eingezahlten Beiträge plus Zinsen zurückbekommst. Zu den fehlerhaften Widerrufsbelehrungen hat der BGH verschiedene Urteile gefällt, die sich auf die Seite der Versicherten stellen. Ausführliche Informationen dazu findest Du auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Die Police verkaufen

Möchtest Du die Lebensversicherung nicht behalten, kann ein Verkauf eine weitere Option sein. Ein Verkauf der Lebensversicherung bringt in aller Regel mehr Geld als der Rückkaufswert bei einer Kündigung. Außerdem bleibt die Leistung im Todesfall auch nach dem Verkauf meist bestehen.

Damit die Lebensversicherung für Ankäufer interessant ist, muss der Rückkaufswert bei etwa 10.000 Euro liegen. Außerdem setzen viele Ankäufer eine Restlaufzeit von mindestens 15 Jahren voraus.

Gerade was den Ankäufer angeht, solltest Du aber sehr genau hinschauen. Denn auf dem Zweitmarkt tummeln sich viele schwarze Schafe.

Du solltest hellhörig werden, wenn Du ein lukratives Angebot per E-Mail oder durch einen Anruf von einem Callcenter erhältst. Seriöse Anbieter arbeiten so nicht. Und Verkaufserlöse, die 20 oder 30 Prozent über dem aktuellen Rückkaufswert liegen, sind fragwürdig.

Bedenklich ist auch, wenn Dir der Anbieter den Betrag nicht auf einmal, sondern in Raten auszahlen will. Bevor Du etwas unterschreibst, solltest Du prüfen, ob der Anbieter Mitglied im BVZL (Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen) ist. Darin sind seriöse Unternehmen organisiert.